17 Dez
von Doc - Kategorie: Alte Publikationen
Amikacin und Vancomycin sind in der Behandlung von Septikämien auch bei Frühgeborenen schon sehr lange etabliert. Bei Fehlen entzündlicher Veränderungen der Meningen diffundieren diese Wirkstoffe bei Erwachsenen kaum in den Liquor/1/. Ist die Blut-Liquor-Schranke dagegen infolge einer Infektion oder Blutung gestört, nimmt die Diffusion zu, so daß die Liquorkonzentration bis zu 50% des Serumspiegels erreicht./2/ Für Frühgeborene liegen derartige Vergleichszahlen nicht vor.
Patienten und Methoden
Von 1992 bis 1996 untersuchten wir bei 12 kranken Frühgeborenen (25.-33. SSW) mit einem Geburtsgewicht zwischen 585 und 2100 g die Serum- und Liquorspiegel von Amikacin und Vancomycin
3 Patienten wurden zum Ausschluß einer meningealen Beteiligung bei schwerer Sepsis Iumbalpunktiert;
bei 5 Patienten mußte ein bestehender posthämorrhagischer Hydrocephalus durch Lumbalpunktion entlastet werden;
3 Patienten hatten eine Ventrikulitis mit externer Liquordrainage;
1 Patient mußte aufgrund einer unklaren passageren Aquaeduetstenose mit einer externen Liquordrainage versorgt werden.
Alle Patienten waren aufgrund einer Sepsis nach Antibiogramm mindestens drei Tage mit Amikacin und/oder Vancomycin vorbehandelt. Die Tagesdosis für Amikacin betrug 5-10 mg/kgKG/d, verteilt auf 1-2 Einzeldosen. Vancomycin wurde in einer Dosis von 20-30 mg/kg KG pro Tag verabreicht. Die Serumspiegelbestimmung erfolgte routinemäßig zur Steuerung der Therapie und wurde aus den oben genannten Gründen mit der Liquorgewinnung koordiniert Die letzte Medikamentenapplikation erfolgte jeweils 12 Stunden vor der Blut- und Liquorentnahme. Es wurde eine Liquorkultur angelegt. Ferner wurden Zellzahl, Gesamteiweiß und Glukose im Liquor bestimmt. Insgesamt wurden 22 Paarmessungen für Vancomycin und 10 für Amikacin durchgeführt. Einige Patienten wurden im Verlauf mehrfach untersucht.
Ergebnisse
Bei allen Messungen konnte Amikacin bzw. Vancomycin im Liquor nachgewiesen werden. Die Amikacin-Spiegel (Abb. 1) korrelierten sehr gut mit den gleichzeitig im Serum gemessenen Werten. Sie lagen zwischen 0,8 und 4,9 mg/dl. Das entsprach 26,6% bis 73,3% des im Serum gemessenen Wertes (Median 50,4%). Es zeigte sich keine Korrelation zum Liquorgesamteiweiß (Abb. 2). Für Vancomycin lagen die Liquorspiegel zwischen 0,6 und 13,9 mg/dl und betrugen damit 11,32% bis 64% der Serumwerte; der Median lag bei 32,72%. Auch für Vancomycin ergab sich also eine gute Korrelation zwischen Serum- und Liquorwerten (Abb. 3) und kein Zusammenhang mit dem Liquorgesamteiweiß (Abb. 4).
Diskussion
Die in üblicher Dosierung verabreichten Wirkstoffe Amikacin und Vancomycin waren im Liquor nachweisbar, wobei die Spiegel mit den Serumwerten sehr gut korrelierten. Die Liquorkonzentrationen lagen zum Teil deutlich über den in der Literatur angegebenen Werten für Erwachsene /3/.
Bei veränderter Blut-Liquor-Schranke ist die Diffusion beider Medikamente deutlich erhöht. In unserer Untersuchung diente das Liquorgesamteiweiß als Parameter für die gestörte Barriere. Bei den meisten Patienten lagen die Liquorgesamteiweißwerte über der Altersnorm zwischen 259 und 2097 mg/dl. Wir nehmen an, daß die lineare Korrelation der Medikamenten-Konzentration im Liquor auf die Sch digung der Blut-Liquor-Schranke zurückzuführen ist. Die von anderen Autoren/4/ geäußerten Vermutungen, daß die Medikamentenkonzentration bei sehr hohen Liquoreiweißwerten gesteigert ist, konnten wir nicht bestätigen.
Bei vier Patienten mit normalem Liquoreiweiß (62-102 mg/dl) lag eine ebenfalls gute Liquor-Serum-Korrelation für Vancomycin vor (für Amikacin gibt es keine Werte). Möglicherweise stellt hier das Liquoreiweiß keinen ausreichend sensitiven Parameter für eine Schrankenstörung dar. Andererseits ist unklar, inwieweit bei sehr unreifen und zudem schwer kranken Frühgeborenen Medikamente nicht ohnehin vermehrt in den Liquor diffundieren. Eine Unterscheidung nach Gestationswochen läßt die kleine Fallzahl nicht zu.
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